Eine Zukunft
ohne Ziel und Hoffnung

Erfahrungen mit der Krise –
Wirtschaft und Menschen in Zeiten von Corona

Die Welt dreht sich weiter als sei nichts gewesen, aber für uns in der Eventbranche fühlt es sich an wie eine Zukunft ohne Ziel und Hoffnung. Seitdem ich denken kann, habe ich immer voll und ganz hinter unserem politischen System gestanden. Jetzt fällt mir das von Tag zu Tag schwerer. Das Vertrauen in unsere Politiker schwindet … und das geht vielen so. 

Zitat Peter Altmaier, Bundeswirtschaftsminister, 08. März 2020: „Die Botschaft an all die vielen mittelständischen Unternehmen im Messe- und Gastronomiebereich ist: Wir lassen euch nicht im Stich. Wir werden euch helfen, diese schwere Zeit zu überbrücken.“

Zitat Olaf Scholz, Bundesfinanzminister, 27. März 2020: „Wir gehen in die Vollen, um auch den Kleinstunternehmen und Solo-Selbstständigen unter die Arme zu greifen.“

Für unsere Branche wurde sehr wenig umgesetzt. Von der Politik scheint man nichts mehr erwarten zu dürfen. Erst Zusagen machen, dann wenig umsetzen – und bloß keine Verantwortung übernehmen. Immer die nächsten Wahlen im Blick.  

Zitat Thomas Sowell, US-amerikanischer Ökonom: „Es gibt kaum etwas Dümmeres und Gefährlicheres, als wichtige Entscheidungen in die Hände von Leuten zu legen, die keinen Preis dafür bezahlen müssen, wenn sie sich geirrt haben.“

Vor Monaten machte ich der Politik den Vorwurf, sie würde den Ereignissen nur hinterherlaufen und die Folgen ihrer Entscheidungen nicht hinterfragen. Da gab es aber die gute Ausrede: Diese Situation hatten wir so noch nie und jede Entscheidung will wohl überlegt sein. Aber hat das immer noch Bestand?

Man muss sich nur umschauen:

  • Nachdem Hunderttausende von Menschen aus dem Urlaub aus dem Ausland zurück gekommen sind, wurde diskutiert, ob verbindliche Corona-Tests für alle Reiserückkehrer sinnvoll sind – nur um diese kurz nach ihrer Einführung wieder abzuschaffen. 
  • In Bayern führt man die „Zettelwirtschaft“ wieder ein und wundert sich, wenn man hunderte infizierte Menschen nicht erreichen kann.
  • Nach monatelanger Schulschließung hat man immer noch keine einheitliche Lösung gefunden. Hat Bayern einen anderen Virus als NRW? Jugend forscht wäre da sicherlich erfolgreicher als unsere Politik.
  • Laut unserer Regierung haben wir die Möglichkeit 1,2 Millionen Tests pro Woche durchzuführen. Es werden aber nur gut 750.000 davon gemacht. Viele Labore haben kein Material für weitere Corona Tests. Erklärungsversuche der Regierung: Es sind genug da, nur nicht am richtigen Ort. Schon mal was von professioneller Lagerlogistik gehört? Aber das hat ja auch schon vor Monaten mit den Masken nicht geklappt,  warum jetzt mit den Tests.    

So könnte man viele Absätze weiter machen – aus meiner Sicht ein erstklassiges Armutszeugnis. Warum nutzt die Politik nicht das Fachwissen zehntausender Profis in der freien Wirtschaft (von denen viele gerade zuviel Zeit haben). Die wüssten vielleicht wie es geht. Seit Monaten gehe ich auf die Politik zu, suche einen konstruktiven Dialog - ein fast hoffnungsloses Unterfangen.

Nachdem der Düsseldorfer Bürgermeister Herr Thomas Geisel (SPD) absolut Corona-konform ein Konzert mit 13.000 Zuschauern für Anfang September im Stadion in Düsseldorf genehmigt hat, erklärt Herr Laschet (CDU) das zur Chefsache. Das hätte man mit dem Land absprechen müssen, meint er. Nachdem er scheitert, ruft er nach der Bundesregierung und Gesundheitsminister Spahn. Und – ohne das dieser das entsprechende Hygienekonzept gelesen hat – stellt Spahn sich medienwirksam vor die Presse und sagt: Veranstaltungen dieser Größenordnung seien nicht möglich, schon gar nicht mit Alkohol. Der allerdings war laut Hygienekonzept ohnehin verboten. 

Doch auch die kritischen Stimmen werden immer lauter – hier ein Link zu einem WDR Artikel zu dem Thema Konzert in Düsseldorf: https://www1.wdr.de/nachrichten/landespolitik/kommentar-arena-konzert-100.html

Und nun steigen die Infektionszahlen wieder deutlich an – wen wundert das, außer unsere Regierung? ­Insbesondere die jüngere Bevölkerung steht nicht mehr hinter den Entscheidungen und Vorgaben der Politik. Die Regierung hat viel Vertrauen verspielt und es wird schwierig werden, dieses wiederzugewinnen.

Nur etwa ein Drittel der Neuinfektionen kommen von Reiserückkehrern und davon nur der kleinere Teil aus Spanien – überwiegend kommen diese aus Kroatien und der Türkei. Aber Spanien bekommt trotz guter Konzepte die Reisewarnung. Zwei Drittel der Neuinfektionen kommen aus unserem eigenen Land – überwiegend von privaten Partys und Feiern, überfüllten Innenstädten und Badeseen. Warum aber werden dann im Kontrast dazu ausgerechnet bestens organisierte Veranstaltungen mit Hygienekonzept und dafür Verantwortlichen abgesagt?

Wann begreifen unsere Politiker das die Bürger nur Regeln befolgen, hinter denen sie auch wirklich stehen? Leider hat für viele Eigenverantwortung oder Verantwortung für den anderen keinen hohen Stellenwert. Aber lieber diskutieren unsere Politiker jetzt schon über die Absage von Karneval und Weihnachtsmärkten.

Liebe Politiker: Redet mit uns. Versucht neue Wege zu gehen. Nutzt Chancen die man Euch bietet. Macht endlich den Job für den Ihr bezahlt werdet. Wer jetzt ehrlich und offen für uns alle einsteht und nachvollziehbare und klare Entscheidungen fällt, wird sicherlich auch wiedergewählt.

Apell an die Wirtschaft und Kultur

Macht endlich wieder etwas - Absagen sind keine Lösung mehr. Geht z.B. als Aussteller und auch als Kunde wieder auf Messen. Jeder Spaziergang in der Innenstadt ist gefährlicher als der Besuch einer nach Corona-Hygieneregeln organisierten und vollüberwachten ­Messe. Macht wieder Veranstaltungen, gleich welcher Art: Immer streng nach Corona Regeln - da geht viel mehr als zur Zeit umgesetzt wird. Gestaltet selbst und aktiv den Weg in eine neue Normalität. Lasst uns endlich wieder hoffnungsvoll nach vorn blicken und nicht in der ­Corona-Lethargie verharren.

Mit freundlichem Gruß
Dirk Schmidt-Enzmann
Geschäftsführer


Übersicht der vorangegangenen Corona-Artikel als PDF


>>    Besonnen bleiben   |   Statement vom 06.03. in unseren News


>>    Lösungsansätze   |   Statement vom 09.03. in unseren News


>>    Krise und kein Ende   |   Statement vom 19.03. in unseren News


>>    Wenig Licht am Ende des Tunnels   |   Statement vom 25.04. in unseren News


>>    Noch nicht über den Berg   |   Statement vom 26.05. in unseren News


>>    Über die Zeit, die wir nicht haben   |   Statement vom 23.07. in unseren News


>>    Eine Zukunft ohne Ziel und Hoffnung   |   Aktuelles Statement vom 25.08.

 

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