Leider noch wenig Licht
am Ende des Tunnels

Wirtschaft, Menschen und Vernunft in Zeiten von Corona

Ein Monat ist seit meinem letzten Artikel zur Krise vergangen. Viele meiner dort aufgestellten Vermutungen haben sich leider bewahrheitet. Am Mittwoch, den 15. April hat die Bundesregierung nun die neuen Regeln des „Teilausstiegs“ verkündet. Ich muss feststellen: Wieder nur ein Flickenteppich an Maßnahmen, die nicht zu Ende gedacht wurden! An zuwenig Zeit kann es diesmal aber doch nicht gelegen haben?

  • Keine Lösungsansätze, wie wir die Risikogruppen unserer Bevölkerung in Zukunft besser schützen können. Die Krise ist noch lange nicht vorbei.
  • Geschäfte dürfen nur bis 800m² Fläche öffnen. Eine nur schwer zu begründende Vorgabe. ­Warum nicht konkreter: Etwa je 10m² frei nutzbare Ladenfläche jeweils ein Kunde. Einfach, nachvollziehbar und leicht umsetzbar. Lieber ein großes Geschäft mit wenigen Kunden als ein kleines übervolles.
  • Keine klaren Vorgaben zum Thema Masken. Erst nachdem viele Bundesländer und Städte einen eigenen Weg gegangen sind, haben wir ab dem 27.04. eine halbwegs einheitliche Lösung. Hier gingen viele Wochen an wertvoller Zeit – insbesondere zum Schutz unserer Risikogruppen – verloren.
  • Eisdielen dürfen wieder öffnen … nur darf man das Eis nicht im Umfeld von 50 Metern essen. Soweit so gut – aber die Eisverkäufer hinter der Theke müssen bei der Zubereitung keine Masken tragen? Wo ist der Wille uns gegenseitig zu schützen? Den ganzen Quatsch mit den umbauten Kassenanlagen zum Schutz der Kassierer und dem Versuch die Busfahrer vor den Reisenden zu schützen hätten wir uns sparen können, wenn wir vor vielen Wochen schon klare Ansagen zum Thema Masken gemacht hätten.
    Hätte natürlich jedes Lebensmittelgeschäft auch für sich alleine einführen können, aber die waren ja noch mit der Diskussion beschäftigt, ob man sich als Kunde am Griff des Einkaufswagens eigentlich anstecken kann oder ob das schon wissenschaftlich belegt ist. 
  • Nach wie vor Verbot aller Großveranstaltungen - aber was sind denn nun eigentlich Großveranstaltungen: 10, 100, 1.000 oder erst 5.000 Besucher?
  • Warum bleiben Tierparks nach wie vor geschlossen? Menschen und insbesondere Familien brauchen Abwechslung und die Tierparks dringend Einnahmen für Futter.
    Die häusliche Gewalt verzeichnet einen Anstieg von nie dagewesenem Ausmaß.
    Abgetrennte Räume – ob drinnen oder draußen –kann man überwachen. Insbesondere die Anzahl der Menschen und damit auch die Abstände. Nur sehr schwer sind hingegen Flächen wie große Parks, Wälder, Innenstädte, Rheinwiesen oder dergleichen zu kontrollieren. Umso unverständlicher, dass Tierparks und eingezäunte Parks nicht öffnen dürfen.
  • Pläne für die nächsten Wochen und Monate – Fehlanzeige. Jede Bank, die ein Darlehen gewährt, erwartet einen Wirtschaftsplan – eine Bilanz des Vorjahres – eine Prognose für die Zukunft. Jeder von uns muss sich Gedanken machen, wie es die nächsten Wochen und Monate weitergehen soll. Da ist es nicht zuviel verlangt nachvollziehbare Pläne mit konstruktiven Ideen für die nächsten Monate von unserer Regierung zu bekommen.
  • Soforthilfe vor ein paar Wochen war meines Erachtens nur dazu da, um die Menschen in einem ersten Schritt zu beruhigen. Einmal mit der Gießkanne Geld regnen lassen und dann muss gut sein. Am Ende wundert sich die Regierung tatsächlich über schwarze Schafe, die illegal Geld abgegriffen haben. Solo-Selbstständige haben bis zu 9.000,00€ bekommen und Firmen (wie wir) mit 30 Festangestellten 25.000,00€ (also ca. 800,00€ pro Angestelltem). Das versteht niemand. Hätte es nicht für jeden Mitarbeiter oder Selbstständigen eine feste Summe als Soforthilfe geben können? Und wie lange soll diese „Soforthilfe“ denn reichen?
    Nach heutigem Stand werden wir sechs Monate lang so gut wie keine Rechnung schreiben können. Und wenn es eine Firma schafft … wie wird es weitergehen? Geförderte Darlehen sind keine Option. Niemand wird mit einem KfW-Darlehen in eine ungewisse Zukunft starten wollen. Und Firmen, denen es im letzten Jahr nicht so gut ging, werden erst gar keines bekommen. Normalerweise gesunde ­Firmen hingegen, die aus unternehmerischem Risiko und auf Basis guter Auftragslage ein Darlehen oder ein Leasing aufgenommen haben – sei es für Materialien, Maschinen, Fahrzeuge, etc. – stehen jetzt vor dem Aus. Oder müssen mit einem weiteren Darlehen laufende Verbindlichkeiten bezahlen: Was für eine Zukunft soll das sein?

Unsere Politiker haben zur Zeit bestimmt keinen einfachen Job – aber Krisenmanagement sieht für mich anders aus. Ich bin von der Regierung und deren wirtschaftlichen Beratern enttäuscht über so wenig Kreativität. Es war nie eine gute Lösung, den Kopf möglichst tief in den Sand zu stecken.

Im weltweiten Durchschnitt haben wir eine geringe Todesrate zu verzeichnen und unser Gesundheitssystem ist eines der Besten der Welt. Aber wir mussten alle feststellen, dass unser Staat auf so eine Krise völlig unvorbereitet war. Wir werden nie herausbekommen, ob es nicht auch andere Wege gegeben hätte eine geringe Todesrate zu erreichen – ohne unsere Wirtschaft komplett und auf so lange Sicht zu schädigen.

Das Robert Koch Institut hat viel Wirbel und Angst verbreitet und nun melden sogar Krankenhäuser Kurzarbeit an, weil alle nicht lebenswichtigen Operationen verschoben wurden.

Auch wenn man Menschenleben nicht mit Geld aufrechnen sollte: Unsere Regierung wird sich der Frage stellen müssen, ob das Verhältnis zwischen Schutz der Bevölkerung und einer völlig desolaten Wirtschaft so vertretbar ist. Auch frage nicht nur ich mich, wo unsere Regierung jetzt die Unsummen an Geld herzaubert und in welche Zukunft nicht nur unsere zum Teil überschuldeten Firmen sondern auch unser Land blicken wird.  

Mit freundlichem Gruß
Dirk Schmidt-Enzmann
Geschäftsführer


Links zum Thema


>>    Besonnen bleiben   |   Statement vom 06.03. in unseren News


>>    Lösungsansätze   |   Statement vom 09.03. in unseren News


>>    Krise und kein Ende   |   Statement vom 19.03. in unseren News


 

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