Wir sind noch lange nicht
über den Berg

Die Herausforderungen der Krise –
Wirtschaft und Menschen in Zeiten von Corona

Wieder sind einige Wochen vergangen – passiert ist leider viel zu wenig. Die von der Politik groß angekündigten Öffnungen von Schulen, Restaurants, Frisören, Schwimmbädern, Sportstätten, Kinos … sind bei ­genauem Hinsehen oftmals nicht viel wert.

Es klingt im ersten Moment toll, was unsere Politiker da auf großen Presse­konferenzen verkünden. Die genauen Bedingungen aber werden erst Tage später verkündet und oft sieht die Realität dann ganz anders aus. ­Warum werden unsere Politiker von ihren Experten immer wieder so schlecht beraten? Wäre es nicht sinnvoller, direkt mit den jeweiligen Bereichen der Wirtschaft zu sprechen und die Vorgaben im Vorfeld abzustimmen? ­Anstatt der Bevölkerung Lockerungen zuzusagen, die aber in dieser Form sinnvoll nicht umsetzbar sind?

Vieles ist einfach nicht zu Ende gedacht. Jetzt - gut zwei Monate zu spät - fällt den Verantwortlichen auf, dass wir keinen ausreichenden Schutz aller Risikogruppen haben. Oder Pläne betreffs Kindergärten und Schulen so nicht umsetzbar sind. Das überrascht jetzt nicht.

Angeblich soll soviel wie irgendwie möglich auf Corona getestet werden. Die Realität sieht aber ganz anders aus. Nach wie vor sind nur Prüfungen möglich, wenn Symptome vorliegen und man eine Überweisung hat. Was für ein Unsinn. Oftmals sind bei den Prüfterminen mehr Menschen von den Maltesern und der Feuerwehr damit beschäftigt alles auf- und abzubauen, als Prüfkandidaten kommen. Wann wird also wirklich damit begonnen zu testen, wer Corona hat oder hatte? Keiner fühlt sich zuständig und es wird beständig weiterverwiesen. Es gibt Millionen von Masken, die nicht zu ihrem Bestimmungsort gelangen … mit Begründungen wie: man müsse erst noch die Qualität prüfen und an Wochenenden und Feiertagen werde nicht gearbeitet ... Corona macht da bestimmt auch frei!

Ich habe als Selbstständiger in meinem Leben lernen müssen: Die Woche hat sieben Tage und wenn nötig auch noch sieben Nächte. Wann haben unsere Politiker und auch Beamte den Mut endlich Entscheidungen zu treffen, die der Wirtschaft wirklich helfen?

Viele verschanzen sich hinter der ständig neu überarbeiteten Corona-Schutzverordnung: Alles was nicht ausdrücklich erlaubt ist ... muß verboten sein.

Unsere Wirtschaft hat es zur Zeit wirklich schwer und ich fürchte wir stehen erst am Anfang der wirtschaftlichen Misere. Den meisten Menschen ist die Tragweite dessen, was in den letzten Wochen wirtschaftlich passiert ist, noch nicht wirklich klar.

Aus meiner Sicht geben aber auch viele Firmen ein schlechtes Bild in der Krise ab:

  • Unehrlichkeit den eigenen Mitarbeitern gegenüber –wie es um die Firma oder den Konzern steht
  • Kurzarbeit – auch wenn gar keine nötig wäre 
  • Endlich Entscheidungen oder Entlassungen umsetzen, die ohne Corona als „Ausrede“ schwieriger gewesen wären

um nur drei Punkte zu nennen.

Wir können uns aber nicht über die Untätigkeit und Entscheidungen unserer Politiker und Beamten ärgern, wenn wir es selbst nicht besser machen. Wo sind die konstruktiven Vorschläge? Was wäre wirklich hilfreich? Ich haben den Eindruck viele Firmen-Entscheider haben auch keine besseren Ideen als unsere Politik. Man wartet ab und hofft, dass es irgendwann wieder besser wird. Ich möchte auf keinem Fall jemanden dazu motivieren Demonstrationen, Sternfahrten oder was auch immer zu unternehmen! Aber keiner kennt seine Firma besser als die Menschen, die darin seit Jahren arbeiten. Sucht nach Lösungen für die Probleme und geht damit auf die Politik zu: Ich bin sicher, die ist froh um jeden konstruktiven Vorschlag. Aufhören sich zu beklagen und irgendwelche Hilfsmittel einzufordern – stattdessen: Durchdachtes Einbringen und die wirklichen Herausforderungen der Zukunft angehen.

Wir im Bereich der Medientechnik/Bühnenbau/Messebau/Veranstaltungen allgemein sind einer der großen Verlierer der Corona Krise. Wir werden mindestens sechs Monate so gut wie keine Einnahmen haben und ob es wirklich ab September wieder aufwärts geht steht in den Sternen. Tausende von Firmen aus dieser Branche werden das sicher nicht schaffen. Leider werden viele von uns wieder einmal feststellen müssen: Hilf dir selbst, sonst hilft Dir keiner. Wie ich schon vor Wochen spekulierte, wird man den Großen wie Lufthansa und Co kräftig unter die Arme greifen und die vielen kleinen Unternehmen müssen sehen, wie sie klar kommen. KFW Darlehen helfen hier nicht. Ganz ehrlich: Was sollen Firmen aus unserer Branche mit Darlehen, die zurückgezahlt werden müssen? Wir benötigen Subventionen, damit wir dieses halbe Jahr ohne jegliche Einnahmen überstehen! Die Entscheidungen der Politik haben unsere Lage zu verantworten, nicht wir selbst.

Viel lieber wäre uns natürlich ein Handlungsrahmen, in dem einfach wieder Einnahmen mit bodenständiger und ­ehrlicher Arbeit zu erzielen wären.

ABER lasst uns alle aus dieser Krise lernen: Die ­Globalisierung unserer Wirtschaft stellt uns besonders jetzt vor große Probleme. Vielleicht ist der etwas teurere Zulieferer um die Ecke eine verlässlichere Wahl als der günstige asiatische Anbieter? Wir sollten alle auch privat umdenken: Lieber weniger T-Shirts aus besserer Fertigung im Schrank, als ganz viele billige von der anderen Seite der Welt? Vielleicht ist der Urlaub im eigenen und den umliegenden Ländern besser als um die halbe Welt zu fliegen?

Ein positives Fazit: Noch nie habe ich mit so vielen mir völlig unbekannten Menschen gesprochen und noch nie so viele tolle neue Menschen in so kurzer Zeit kennengelernt wie in dieser Krise. Mit etwas Glück haben die vielen sozialen Kontakte und Hilfsaktionen ja auch nach der Krise noch Bestand oder dauern in etwas Neuem fort. Vieles geht in der Krise in sehr kurzer Zeit, was zuvor Wochen gedauert hätte. Lasst uns versuchen, diese positiven Aspekte und Möglichkeiten auch in die Zeit nach der Krise zu retten.

Mit freundlichem Gruß
Dirk Schmidt-Enzmann
Geschäftsführer


Links zum Thema


>>    Besonnen bleiben   |   Statement vom 06.03. in unseren News


>>    Lösungsansätze   |   Statement vom 09.03. in unseren News


>>    Krise und kein Ende   |   Statement vom 19.03. in unseren News


>>    Wenig Licht am Ende des Tunnels   |   Statement vom 25.04. in unseren News

 

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